WATERSHED

Viele Musikerinteressierte erinneren sich bestimmt noch an die wunderbare Watershed-Acoustic-Ballade “Indigo Girl“ aus dem Jahr 2002, die durch fast alle Radiostationen gereicht wurde. Das ist die Geschichte eines Mädchens, in die sich der Protagonist unsterblich verliebt, aber sicher weiß, dass er eben dieses Mädchen niemals für sich gewinnen kann. Im dazugehörigen Video wird gezeigt, wie in seinen Gedanken diese Frau immer wieder durch sein Blickfeld läuft, sie neben ihm steht, aber real nicht existiert. Deswegen gibt es im Video immer Schnitte zu scheinbaren Überwachungskameras, in denen die Frau ebenfalls nicht zu sehen ist. Zum Schluss allerdings sieht man sie dann doch real, was uns wohl zeigen soll, dass manchmal Träume doch in Erfüllung gehen können – besonders der nach einem Indigo-Girl. 
Nach einer Veröffentlichungspause von drei Jahren erscheint jetzt, zum 20-jährigen Jubiläum ihres “Indigo Girl“ und 21 Jahre nach ihrer ersten 2000er Album-Veröffentlichung „In the Meantime“ mit “Elephant In The Room“ endlich ein neues Watershed-Album, dass einerseits an die Klasse der alten Platten anknüpft, aber auch die Zeichen und die Sounds der Gegenwart aufgreift.


Das Album wurde während der globalen Covid 19-Pandemie geschrieben, arrangiert und aufgenommen. Craig Hinds hatte Anfang 2020 damit begonnen, erste Ideen zu sammeln. Die Songs entwickelten sich langsam und als er wieder reisen durfte, traf er sich mit seinen Bandkollegen in Johannesburg, um in gemeinsamen Sessions die Titel weiter zu entwickeln. „Es gab viel zu schreiben, da die Emotionen hoch waren, Familien und Paare getrennt waren und 'times they are/were a-changing', wie die Legende Bob Dylan es ausgedrückt hätte“ (CRAIG HINDS).


“Elephant In The Room“ ist ein solides und warmes Album mit zwölf Titeln, dass in Trio-Formation (Craig Hinds (voc, g, p), Howie Combrink (dr, voc) und Gideon Botes (g) aufgenommen wurde. Letzterer ist auch für Produktion und das Mixing verantwortlich, bei dem er von Hinds und Combrink unterstützt wurde. Es enthält, neben den gewohnt hervorragenden Craig Hinds-Kompositionen, auch eine umwerfende Watershed-Interpretation des Bruce Springsteen-Klassikers “I'm On Fire“. Die LP enthält eine gute Mischung aus Uptempo-Songs, klassischen Watershed-Balladen und Mid-Tempo-Stücken. Die Musik der Gruppe hat sich im Laufe der Jahre immer weiterentwickelt und die unterschiedlichsten Einflüsse mit aufgenommen, ohne jedoch zu weit von dem abzuweichen, was Watershed immer ausgemacht hat


Textlich unternimmt Craig Hinds eine Reise ins Unbekannte und hinterfragt alles, was um ihn herum geschieht, während er gleichzeitig versucht, den “Elefanten im Raum“ anzusprechen. Es gibt einfach zu viele Meinungen und niemand spricht wirklich die reale Situation an" (CRAIG HINDS). In echter Watershed-Songwriting-Tradition, werden in den Songs Themen aus dem Alltag, die alltäglichen Sorgen, die alltäglichen Höhen und Tiefen und die alltägliche Liebe aufgegriffen, um Songs zu kreieren, die einem für längere Zeit nicht mehr aus dem Kopf gehen. Seine größte Angst ist, keinen Hit schreiben zu können. “Es spielt keine Rolle, wie viel Du tourst, wie viele Fans Du hast oder wie viele Netz-Follower Deine Seite anklicken. Wenn Du keine guten Songs hast, gehst du nirgendwo hin“ (CRAIG HINDS).


Wer aber ein neues “Indigo Girl“ erwartet, wird evtl. enttäuscht werden, denn Watershed anno 2021 ist durchaus zeitgemäßer und rockiger geworden. Stilistisch haben sich Watershed weiterentwickelt, verleugnen dabei aber ihren eigenen, speziellen Sound nicht. Eindringlicher, energiegeladener und anspruchsvoller Indie-Folk-Pop-Rock. Songs wie die Single-Auskopplung “Undone“, “Map Of My Behaviour“, der Bonus-Titel “Countdown“ oder das Titelstück selbst haben ein grandios treibendes Schlagzeug, ohne dabei die Melodie-Affinität der Hinds-Kompositionen zu verlieren. Da werden Erinnerungen an frühe R.E.M.Coldplayund dieCrash Test Dummies wach. Der Schwerpunkt der Instrumentierung ist eine exzellente Mischung aus Gitarren, E-Piano und die markante und natürlich ausdrucksstarke Stimme von Craig Hinds.