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Karl Neukauf: Papperlapapp


Karl Neukauf: Papperlapapp

Zuerst das langsame Schnaufen eines Akkordeons, in die Tasten gehauene Klavierakkorde, die Gitarre kommt angeflogen, der präparierte Flügel macht auf Xylofon und dann dieses tiefe Timbre: „Komm wir fahren Paternoster, ist so’n schöner Tag im Maien, sein blaues Band & Dich bei der Hand, fast zu schön, um wahr zu sein“. So beginnt „Papperlapp“, das dritte Album des Berliner Rock-Chansonniers Karl Neukauf. Und elf Songs später hat man einen neuen Musikhelden. King Karl, der mit unterirdisch tiefer Stimme wunderbar charmante Geschichten erzählt und das alles von ihm geschrieben, getextet und – von wenigen Ausnahmen abgesehen – auch selbst gespielt.

Karl Neukauf – hellhörigen Zeitgenossen schon 2010 durch sein gleichnamiges Debüt „Karl Neukauf“ und den Nachfolger „Blaue Erbsen“ (2012) aufgefallen – kommt aus Kassel und lebt in Berlin. Eigenwillig sperrig klingt er, wie in „Deine Welt durch meine Augen“ („Die Frühjahrsmüdigkeit geht in der Sauregurkenzeit gern zum Kaffeeklatsch und isst dann Rollmops & Käsekrainer und schämt sich fremd für das Wunderkind das mit ner Libelle auf dem Hammerklavier Krautrock und Kunstlied als Gesamtkunstwerk verkauft“) oder kraftwerkartig tönend beschreibt er die Albträume eines Wohnungssuchenden in „Stuck & Hohe Decken“.

Neukauf bewegt sich bei seinen musikalischen Streifzügen in einem Spannungsfeld zwischen early Rolling Stones, Hildegard-Knef-Chanson und Rumpel-Rock à la Nick Cave und Tom Waits. Egal, wie ausgefuchst die Arrangements auch daher kommen, es klingt nach sympathischem Understatement. Doch der musikalische Allrounder ist kein Rookie. Er weiß genau, was er da macht, und er macht es grandios. Klavier, Synthesizer, Mellotron, Wurlitzer, Schlagzeug, Zahnbürste und Milchschäumer usw. – nur selten bittet der (im besten Sinne des Wortes) Alleinunterhalter Kollegen in sein Heimstudio. Mal eine zweite weibliche Stimme („Paternoster“), mal ein Mandolinensolo („Einzig & Allein“), mal ein Tenorsaxophon („Flaschenpost“) – mehr braucht es nicht, der Rest ist Chefsache. Da gibt es hymnisch-aufgebaute Titel wie „Einzig & Allein“, eine freche Hommage an den Stones-Bühnenklassiker „Happy“ („Am Ende des Tages“) und immer wieder Gänsehaut-Momente, die man so gar nicht erwartet hat. „Überraschung“ ist eine Option, die der Künstler oft und gekonnt nutzt.

Neukauf trägt – siehe das „Papperlapp“-Cover – bevorzugt Existenzialisten-Schwarz, dazu dunkel getönte Brille und Kippe im Mund. Wer ihm begegnet, kann nicht glauben, dass dieser Schlaks mit dem jungenhaften Gesicht schon 33 Jahre sein soll. Ist auch wurscht! Wer mit ihm spricht, ist überrascht, wie klug und sympathisch dieser Typ ist. Er kennt seine Stones, schätzt Niedecken und Lindenberg, liebt Hildegard. Kein Wunder, dass der Rock-Chansonnier nicht nur musikalisch, sondern auch textlich eine Entdeckung ist. Er wortspielt gerne und gut, er vermischt Geträumtes mit Alltagsbeobachtungen und kommt an dem allzu Vorhersagbaren stets vorbei. Selbst bei vordergründig einfachen Zeilen, kommt der Widerhaken: „Alles ist fröhlich, alles ist heiter mal biste blöde, mal biste gescheiter(t)“.

Ach ja, fast vergessen: Diese Stimme, über die King Karl verfügt, ist der Hammer. Tief, dunkel, sonor, verführerisch, Bariton, 80 Prozent Kakao. 

Kat.-Nr.: TZ386

Einzelpreis: 12,00

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Album: Papperlapapp
Artist: Karl Neukauf
Genre: Pop
Kat.-Nr.: TZ386
Label: Timezone (12791)
Jahr: 2015

01. Paternoster 5:14

02. Katharina 4:34

03. Flaschenpost 4:14

04. Am Ende des Tages 3:41

05. Alles ist möglich 4:23

06. Einzig & Allein 4:35

07. Deine Welt durch meine Augen 4:42

08. Bevor die letzten Züge gehen 3:44

09. Stuck & hohe Decken 8:49

10. Momente aus dem Marmeladenglas 5:01

11. Herbst liegt über den Dächern 6:51


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